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Mi, 05.08.2009 19:56
Di, 01.12.2020 12:11
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Taube21Onlinestatus
Moderatoren: keine
 
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nicht erwähnenswert / nicht erwähnt
 
 
Di, 01.12.2020 12:11
 
Keinen Eintrag wert sind:
Stewart O'Nan - Letzte Nacht
Doris Knecht - Gruber geht

Nicht zitiert wurden:
John Strelecky - Das Café am Rande der Welt
Lilian Faschinger - Paarweise
 
Taube21Onlinestatus
 
Haruki Murakami - Naokos Lächeln
 
 
Di, 01.12.2020 12:00
 
2. Kapitel
Doch nach einer gewissen Zeit wurde mir bewußt, daß trotz meiner heftigen Anstrengungen so etwas wie ein undefinierbarer Knoten aus Luft in meinem Innern zurückgeblieben war, der mit der Zeit eine schlichte, aber deutliche Form annahm. Ich konnte diese Form sogar in Worte fassen. Der Tod verkörpert nicht das Gegenteil des Lebens, sondern ist ein Bestandteil desselben. Ausgesprochen klingt das wie eine Binsenweisheit, doch damals empfand ich diese Erkenntnis nicht in Form von Worten, sondern als eben diesen Luftknoten in meinem Inneren.

4. Kapitel
Diese Typen hatten lauthals den Streik ausgerufen und die Studenten, die dagegen gewesen waren (oder auch nur Zweifel angemeldet hatten), zum Kuschen gebracht. Als ich einige von ihnen darauf ansprach und fragte, warum sie Vorlesungen besuchten, statt den Streik fortzusetzen, konnten sie mir keine klare Antwort geben. Was hätten sie auch sagen sollen? Daß sie befürchteten, wegen Fehlens ihre Scheine nicht zu bekommen? Und diese Leute hatten brüllend gefordert, die Universität zu zerschlagen! Was für ein Witz. Diese armseligen Opportunisten! Kaum hatte sich der Wind gedreht, war aus ihrem Gebrüll Geflüster geworden.
Ach, Kizuki, dachte ich, du verpaßt wirklich nichts. Was für eine beschissene Welt. Diese Spinner studieren um eine Gesellschaft mitzuerschaffen, die genauso widerlich ist wie sie.

7. Kapitel
Hätte sie schon von klein auf einen guten Lehrer und richtigen Unterricht gehabt, hätte sie so viel weiter sein können. Das bildete ich mir damals ein, aber das war ein großer Irrtum. Im Grunde war dieses Kind für einen konventionellen, geregelten Unterricht ungeeignet. Solche Menschen gibt es. Sie haben eine große Begabung, aber es ist zu anstrengend für sie, sie systematisch zu entfalten. Sie zerstückeln ihr Talent in kleine Häppchen und vergeuden es auf diese Weise. Ich habe schon viele solcher Menschen kennnengelernt. Am Anfang hält man sie für erstaunlich begabt. Es gibt zum Beispiel Leute, die können ein höllisch schwieriges Stück sofort spielen, nachdem sie es nur einmal überflogen haben. Und sogar gut spielen. Wenn man das sieht, ist man überwältigt. Das könnte ich nie! Aber das war’s dann auch. Weiter kommen sie nicht. Und warum nicht? Weil sie die Anstrengung scheuen. Weil man ihnen keine Disziplin beigebracht hat. Sie sind verwöhnt. Ihre Begabung hat ausgereicht, um ihnen als Kindern mühelos das Lob der Erwachsenen zu sichern, drum finden sie jede Anstrengung überflüssig. Wozu andere Kinder drei Wochen brauchen, das schaffen sie in der Hälfte der Zeit, also stellt ihnen der Lehrer die nächste Aufgabe, die sie wider in der Hälfte der zeit bewältigen. Und immer so weiter. Auf diese Weise lernen sie nie, was Mühe heißt, und in ihrer Charakterbildung fehlt ein wichtiges Element. Das ist tragisch.

10. Kapitel
"[…] Ich weiß, ich bin unmöglich zu dir. Ich gebe nichts und fordere nur. Ich sage ohne Rücksicht alles, was mir gerade durch den Kopf schießt, habe dich hierherzitiert und dich durch halb Shinjuku geschleift. Aber ich habe doch sonst niemanden, mit dem ich das machen kann. Nicht einmal in den zwanzig Jahren, die ich auf der Welt bin, durfte ich nur an mich denken. Mein Vater und meine Mutter haben mich überhaupt nicht beachtet, und mein Freund ist auch nicht der Typ dazu. Er wird’ sofort wütend, wenn ich einmal meinen Willen durchsetzen will. Dann streiten wir uns. Nur mit dir kann ich reden. Jetzt bin ich völlig kaputt und möchte einschlafen, während mir jemand sagt, wie lieb und hübsch ich bin. So einfach ist das. […]"

12. Kapitel
Aus Kizukis Tod hatte ich etwas gelernt und mich damit abgefunden. Oder redete es mir zumindest ein. "Der Todexistiert nicht als das Gegenteil des Lebens, sondern ist ein Bestandteil desselben."
So lautet die unumstößliche Wahrheit des Lebens. Indem wir leben, züchten wir gleichzeitig unseren Tod heran. Doch in dieser Erkenntnis liegt nur ein Teil der Wahrheit, mit der wir uns abfinden müssen. Aus Naokos Tod lernte ich noch etwas ganz anderes. Ich lernte, daß nicht die wahrste Wahrheit den Schmerz zu lindern vermag, den wir beim Verlust eines geliebten Menschen empfinden. Weder Erkenntnis, noch Aufrichtigkeit, noch Kraft, noch Güte können diesen Kummer heilen. Wir können ihn nur durchleiden und etwas daraus lernen. Doch das, was wir daraus lernen, hilft uns nicht beim nächsten Kummer, der uns ohne Vorankündigung überfällt.
 
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