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Arno Geiger - Alles über Sally
 
 
Do, 05.11.2020 17:24
 
3
Die Möglichkeit, sich seinen Partner frei zu wählen, war historisch jung, und es wurde mit großer Unbekümmertheit davon Gebrauch gemacht. Als Sally und Alfred ans Heiraten dachten, befand sich das Experiment in einem Versuchsstadium, in dem sogar ein Gefühl für Dilettantismus noch fehlte. Partnerwahl galt als etwas, das im Geist der Freiheit erfolgen musste, wie Kunst, spontan und impulsiv. Eine sorgfältige Partnerwahl wäre für jeden, der einen Funken Fortschrittsgeist besaß, beschämend gewesen, denn alles Kalkulierte gehörte in die Welt der Spießer und somit in die Welt der Vergangenheit.

4
Manchmal war sie drauf und dran, ihn zu hassen, aber mit Sicherheit verachtete sie ihn dafür, dass er nicht dynamischer war. Lieber hätte sie nicht auf diese Weise empfunden, aber es gelang ihr nicht, ihren Widerwillen einzudämmen. Sie dachte: Hoffentlich sagt das nicht mehr über mich aus als über ihn.

5
Im Alter von zwanzig war sie schwierig, aufmüpfig, egoistisch, ungeduldig und sinnlich gewesen, dabei schnell, wendig und unberechenbar; wie ein Schwarm Vögel. Um Erfahrungen zu sammeln, hatte sie sich ständig in Situationen begeben, denen sie nicht gewachsen war, sie hatte keine Verletzung gescheut, ständig war sie am Rand mehrer Beziehungen herumgeschlichen, immer irgendwo in gestohlenen Momenten, inmitten wilden Vorwärtsstürmens. Wenn auf der Straße ein Mensch totgefahren worden war, war sie stehengeblieben, um es sich anzusehen. Und wenn sich ihr die Möglichkeit geboten hatte, dabeizusein, wenn ein Schwein abgestochen wurde, hatte sie sich den Anblick nicht entgehen lassen, und bem nächsten Mal gleich wieder, selbst wenn beim ersten Mal Schlafstörungen dabei herausgekommen waren.

6
Sally erwähnte die strikten Moralvorstellungen zu Hause und dass zwischen Gehorchen und Geliebtwerden ein untrennbarer Zusammenhang bestanden habe. Sie habe sich nach nach jedem Zeichen von Freiheit gestreckt.

10
[...] und ich habe gewusst, das ist Liebe, weil Mama hat Papa jahrelang gehasst, aber in Wahrheit hat sie ihn geliebt, und plötzlich ist eine alte Tür wieder aufgegangen, Gott schließt niemals eine Tür, ohne eine andere zu öffnen, das war eine der ländlichen Weisheiten, nach denen Mama ihr Leben zu führen versucht hat, stattdessen ist eine alte Tür immer noch offengestanden, ohne dass sie es gewusst hatte, da sieht man es wieder, wie unbrauchbar ihre Grundsätze waren [...]
 
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Albert Camus - Die Pest
 
 
Sa, 08.02.2020 00:25
 
Freilich gingen einige von ihnen weiter allein durch die Stadt, einsam und des Menschen beraubt, auf den sie warteten. Jene konnten noch froh sein, die nicht zweimal getrennt worden waren wie manch, die vor der Epidemie ihre Liebe nicht auf Anhieb hatten aufbauen können und sich jahrelang blind um den schwierigen Einklang bemüht hatten, der am Ende feindliche Liebende aneinanderkettet.
 
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John Williams - Stoner
 
 
Di, 28.01.2020 20:35
 
XIII

Als William Stoner sehr jung war, hatte er die Liebe für einen vollkommenen Seinszustand gehalten, zu dem Zugang fand, wer Glück hatte. Als er erwachsen wurde, sagte er sich, die Liebe sei der Himmel einer falschen Religion, dem man mit belustigter Ungläubigkeit, vage vertrauter Verachtung und verlegener Sehnsucht entgegensehen sollte. Nun begann er zu begreifen, dass die Liebe weder Gnade noch Illusion war; vielmehr hielt er sie für einen Akt der Menschwerdung, einen Zustand, den wir erschaffen und dem wir uns anpassen von Tag zu Tag, von Augenblick zu Augenblick durch Willenskraft, Klugheit und Herzensgüte.
 
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Gerard Donovan - Winter in Maine
 
 
Do, 12.12.2019 10:59
 
Zweiter Teil
Nacht des 2. November
23
Es ergab einen Sinn, dass etwas, das einem fehlt, einen von der Gegenwart befreien kann und man sich plötzlich fragt, was es im Leben sonst noch zu entdecken gibt. Ich bewunderte sie dafür, aber die Gegenwart ist so beharrlich wie Unkraut: Sie kehrt Tag für Tag mit demselben Geruch und derselben Gestalt zurück, und dennoch erwartet man etwas Neues.

25
Wenn sich Einsamkeit messen ließ, dann vermutlich anhand des Glücks, das ich bei ihrem Anblick empfand, obwohl ich ohnehin glücklich war.
 
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Jo Nesbø - Schneemann
 
 
Do, 13.06.2019 01:46
 
Teil III
Kapitel 16
10. Tag. Curling

Harry fragte sich, warum Menschen, die auf Kosten anderer Menschen lebten, immer diesen dünnen, glänzenden Schweißfilm auf der Haut hatten, wie ein Firnis aus geheuchelter Scham über ihrem fehlenden Gewissen.
 
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